Thomas Hobbes Leviathan zwischen den Zeilen lesen

Thomas Hobbes Leviathan. Eine Kurzanalyse

Worauf verweist der Leviathan? Was zeigt er uns an, das wir ohne ihn nicht sehen könnten? Einfach gesagt ist es die Allgegenwart des Staates. Der Leviathan repräsentiert den Staat, auch wann und wo dieser scheinbar nicht gegenwärtig ist. Es wurde eingangs dargelegt, wie bei Hobbes die Entstehung des Staates an den ganz bestimmten Moment des Vertragsschlusses gebunden ist. In diesem Moment rationaler Übereinkunft wird der Staat aus dem Nichts des Naturzustandes erschaffen. Um nun die Macht des Staates und die Gefolgschaft der Bürger sicherzustellen, muss dieser Moment rationaler Einsicht in die Notwendigkeit des Staates in die Zukunft hinein verlängert werden. Genau darauf hin arbeitet die Symbolik des Leviathans.

Das Frontispiz hält den entscheidenden Moment rationaler Übereinkunft fest und konserviert auf diese Weise die Pointe der ganzen Staatstheorie. Wenn man das Bild des Leviathans genauer betrachtet, sieht man, dass alle Menschen in seinem Körper vereinigt sind. Alle Bürger sehen zum Kopf des Leviathans hoch. Die Darstellung ist eine Momentaufnahme des Vertragsschlusses: Sie zeigt die Übereinkunft aller Bürger und die zeitgleiche Autorisierung einer einzigen Macht über ihnen. Indem das Bild die Idee des Staates stets von neuem vergegenwärtigt, verhilft die Symbolik des Leviathans dem Argument des Textes zu einer Art »künstlichen Ewigkeit« und damit Allgegenwart.

Das Bild des schützenden und strafenden Staates soll dauerhaft präsent sein, damit die Bürger nach den Maximen gesellschaftlicher Rationalität und staatlicher Gesetzlichkeit handeln. Die institutionelle Struktur des Staates ist nur dann handlungsrelevant, wenn man sich ihren Regeln nicht entziehen kann. Jeder Bürger wird zuweilen das Gefühl haben, dass es für ihn nützlicher wäre, ein Gesetz nicht zu befolgen. In solchen Situationen muss er sich die Zweckmässigkeit des Vertrages von neuem vergegenwärtigen. Und vor allem muss ihm die Angst vor der Strafe bei Gesetzesbruch dauernd im Nacken sitzen. Das Monster Leviathan und sein Name beschwören genau diese Angst.

Wo immer die Figur des Leviathans in der Literatur auftaucht, trägt sie die Konnotation des Furchteinflössenden und Ungeheuerlichen. So wird das biblische Seeungeheuer Leviathan zuweilen als Walfisch, meist aber als Krokodil oder Drache beschrieben. Tatsächlich fungiert die Angst in der Hobbesschen Theorie – als Leitmotiv. In seiner knappen, in lateinischen Versen abgefassten Autobiographie macht Hobbes die berühmt gewordene Aussage, dass seine Mutter in Anbetracht des befürchteten Angriffes der Spanischen Armada auf das Englische Königreich Zwillinge zur Welt gebracht habe: ihn und die Angst.

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